S A R A V Á [afrobrasilianischer Gruss]

 

Im Mai 1999 fand das multimediale Projekt Herz der Anderen - Saravá, Mário de Andrade! während 5 Wochen in 69 kleineren Städten im Staat São Paulo, Brasilien, statt. Drei KünstlerInnen-Karawanen zeigten auf ver-lassenen Eisenbahnstationen Film, Musik, Tanz, Theater, Poesie und Performance einem Publikum, das selten oder noch nie solche Vorstellungen sehen konnte.

Koordiniert wurde das Projekt vom sesc (serviço social do comércio), einer wichtigen brasilianischen Organisation, die ihre Aufgabe in der Demokratisierung des Wissens in Brasilien sieht.

 

Die Inspiration lag im Werk des Schriftstellers und Musikforschers Mário de Andrade (1893-1945), der mit seinem Roman MACUNAÍMA der Held ohne Charakter eines der Hauptwerke des brasilianischen Modernismus der 20er Jahre geschaffen hat. Die Geschichte von MACUNAÍMA ist laut Mário de Andrade eine Nacherzählung eines Papageis, der die Taten des Helden gesehen hat. Sie lässt sich nicht übersetzen, sondern nur im Wieder-Erzählen transportieren.

MACUNAÍMA ist ein Kannibale auf Reisen durch Raum und Zeit in Brasilien, wobei er immer wieder Fremdes aufnimmt, es verdaut und dabei Eigenes schafft.

S A R A V Á ein video ohne charakter führt den kannibalischen Charakter Macunaímas fort: Es ist eine audiovisuelle Anthropophagie von Figuren, Gesten und Klängen, die Brasilien durch verschiedene Medien umreissen.

 

44 min., © curpaqpaq.productions 1999

Idee, Kamera, Schnitt: Evelyn Schuler & Viola Scheuerer